24. Juli 2026
Wer hin und wieder Fundnudeln sammelt, das Leben durch eine Lupe betrachtet oder sich fragt, warum es der Zebrastreifen und nicht die Zebrastreifen heißt, dem ist die Wahrnehmung von Estrich, alias Spion Nr. 9, nicht ganz fremd. In ihrer Laudatio zog Dr. Claudia Maria Pecher, Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Parallelen zu literarischen Figuren wie Forrest Gump oder Sherlock Holmes – Charaktere, deren ganz eigener Blick auf die Welt den Alltag in etwas Neues, Ungewohntes verwandelt. Genau diese »produktive Verfremdung des Alltäglichen« gelinge auch Jona Manow in seinem Debütroman »Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen«, dessen konsequente Erzählweise die neurodivergente Wahrnehmung seiner Hauptfigur unmittelbar erfahrbar mache.
Das Fazit der Jury: Jona Manows Kinderbuchdebüt sei »ein Plädoyer für die Einzigartigkeit von Kindern […] und eine Einladung, öfters mal die Blickrichtung zu wechseln«.
Verliehen wurde die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur im Rahmen eines Festakts in Kolbermoor – gemeinsam mit dem 20. Kinderbibliothekspreis der Bayernwerk Netz GmbH. Aus gut 50 eingereichten und sechs nominierten Erstlingswerken wählte die Jury unter Vorsitz von Dr. Jana Mikota (Universität Siegen) Jona Manows Roman zum diesjährigen Preisträger. Das Preisgeld stiften Kinderbuchautor Paul Maar und das Bayernwerk; auch der Entwurf der Preisfigur, des Bären Korbinian, stammt von Paul Maar.