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»Eine Einladung, öfters mal die Blickrichtung zu wechseln« – Jona Manow gewinnt den Paul Maar-Preis 2026

Estrich zählt in Neunerschritten, studiert Teebeutelschildchen wie Forschungsmaterial über eine fremde Spezies und ist überzeugt, ein außerirdischer Spion auf Beobachtungsmission zu sein. Für die Geschichte dieses ungewöhnlichen Protagonisten ist Mixtvision-Autor Jona Manow gestern Abend in Kolbermoor mit dem Korbinian – Paul Maar-Preis für neue Talente 2026 ausgezeichnet worden.

Wer hin und wieder Fundnudeln sammelt, das Leben durch eine Lupe betrachtet oder sich fragt, warum es der Zebrastreifen und nicht die Zebrastreifen heißt, dem ist die Wahrnehmung von Estrich, alias Spion Nr. 9, nicht ganz fremd. In ihrer Laudatio zog Dr. Claudia Maria Pecher, Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Parallelen zu literarischen Figuren wie Forrest Gump oder Sherlock Holmes – Charaktere, deren ganz eigener Blick auf die Welt den Alltag in etwas Neues, Ungewohntes verwandelt. Genau diese »produktive Verfremdung des Alltäglichen« gelinge auch Jona Manow in seinem Debütroman »Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen«, dessen konsequente Erzählweise die neurodivergente Wahrnehmung seiner Hauptfigur unmittelbar erfahrbar mache.

Das Fazit der Jury: Jona Manows Kinderbuchdebüt sei »ein Plädoyer für die Einzigartigkeit von Kindern […] und eine Einladung, öfters mal die Blickrichtung zu wechseln«.

Verliehen wurde die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur im Rahmen eines Festakts in Kolbermoor – gemeinsam mit dem 20. Kinderbibliothekspreis der Bayernwerk Netz GmbH. Aus gut 50 eingereichten und sechs nominierten Erstlingswerken wählte die Jury unter Vorsitz von Dr. Jana Mikota (Universität Siegen) Jona Manows Roman zum diesjährigen Preisträger. Das Preisgeld stiften Kinderbuchautor Paul Maar und das Bayernwerk; auch der Entwurf der Preisfigur, des Bären Korbinian, stammt von Paul Maar.

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Jona Manow für den Paul Maar-Preis 2026 nominiert

Eigentlich lautet Estrichs wichtigste Spionageregel: Auf keinen Fall auffallen. Seinem Erfinder Jona Manow ist genau das nun auf die schönste Weise misslungen: Sein Kinderroman »Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen« ist für den Korbinian – Paul Maar-Preis für neue Talente 2026 nominiert.

In der Jurybegründung heißt es: 

»Mit Estrich hat Manow eine außergewöhnliche Figur geschaffen, die die Leserinnen und Leser auf ebenso humorvolle wie berührende Weise durch die Handlung führt. Aus der Perspektive eines neurodiversen Jungen entfaltet der Roman eine ebenso spannende wie tiefgründige Suche nach Zugehörigkeit, Selbstverständnis und dem eigenen Platz in einer Umwelt, deren Regeln oft rätselhaft erscheinen. Die besondere Qualität des Romans liegt dabei in seiner konsequenten internen Fokalisierung: Die Welt wird durch Estrichs Wahrnehmung erfahrbar. Seine Fragen, seine eigensinnigen Ordnungssysteme und seine Gewohnheit, Dinge in Neunerschritten zu zählen, prägen die Erzählung ebenso wie sein Gefühl, den gesellschaftlichen Erwartungen nicht zu entsprechen. Auf eindrucksvolle Weise zeigt das Buch, dass Neurodiversität nicht als Defizit verstanden werden muss, sondern als eine besondere Gabe, die Welt wahrzunehmen.«

Der Paul Maar-Preis, den die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur bereits zum 17. Mal vergibt, gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Erstlingstitel im deutschsprachigen Raum. Am 23. Juli 2026 findet die Preisverleihung in oberbayrischen Kolbermoor statt. Ob Estrichs Mission dort erfolgreich enden wird? Wir sind gespannt und drücken fest die Daumen!