21. April 2021

“Ich möchte irgendwann „Oma“ sein.”

Schwester Jordana Schmidt gehört der Ordensgemeinschaft der Dominikanerinnen von Bethanien an. Sie ist Kinderdorfmutter von fünf kleinen Kindern. Mit diesen lebt sie auf Zeit zusammen, in einem großen Haus mit Garten und Tieren.


Was macht eine Familie für Sie aus?

Bei meiner Familie weiß ich, dass die anderen zu mir gehören, egal was passiert und ich Verantwortung für sie trage. Eine Familie hat ein Zuhause, das sie zusammen bewohnt oder in das einzelne Familienmitglieder zurückkommen können, man kann “Nach-Hause-Kommen”. In der Familie gibt es gemeinsame Geschichten, die wir uns erzählen “Weißt du noch, als …” und gemeinsame Traditionen “Bei uns machen wir immer …”.   

Was ist für Sie das Besondere an ihrer Familie?

Meine Familie ist eine Kinderdorffamilie. Ich bin die Kinderdorfmutter und fünf Kinder leben bei mir im Haus. Die Kinder können nicht bei ihren leiblichen Eltern leben, weil sie dort nicht genügend Schutz und Versorgung hatten. Wir wohnen in einem schönen großen Haus mit Garten und vielen Tieren. Wir fahren zusammen in den Urlaub und erleben schöne Dinge. Auch an Weihnachten und Ostern sind wir zusammen.

Auf der einen Seite fühlen wir uns oft wie eine Familie, auf der anderen Seite merken wir, dass noch viele andere mit dazugehören. Zum Beispiel die leiblichen Eltern, die bei manchen Kindern zu Besuch kommen, bei manchen aber auch nicht.

Bei uns ist immer viel los. Die Kindern gehen in den Kindergarten oder in die Schule, machen Ballett oder anderen Sport, erlernen ein Instrument, laden Freundinnen und Freunde ein und machen alles, was andere Kinder auch machen. Bei uns im Kinderdorf leben viele Kinder und man hat immer jemanden, mit dem man spielen kann. Auch gibt es ein Schwimmbad und Pferde und einen großen Spielplatz und vieles mehr.

Was war ihr bisher schönster Familienmoment?

Wir haben tolle Urlaube zusammen gemacht. Wir waren schon auf Ibiza, Mallorca, Gran Canaria, in Schweden, Dänemark, Holland, Österreich und innerhalb Deutschlands unterwegs. Wir reisen gerne! Dann können wir viel Zeit miteinander verbringen ohne Termine. Das genießen wir sehr. Ich liebe es aber auch, wenn ich mit allen Kleinen, die gerade bei mir sind, abends vor dem Sandmännchen auf dem Sofa sitze und sie anschließend zu Bett bringe. Das sind wunderschöne Momente.

Reagieren andere / die Gesellschaft auf Ihre Familie? Und wenn ja, wie?

Gerade wenn wir zusammen unterwegs sind, gibt es viele fragende Blicke. In den Hotels zerbrach man sich den Kopf, wie wir wohl zusammengehören. So viele unterschiedliche Kinder und ich bin irgendwie “Mama” ohne Mann. Manche haben sich getraut zu fragen. Aber manchmal machen wir uns auch einen Spaß daraus, alle im Unklaren zu lassen.

Viele finden die Idee einer Kinderdorffamilie toll und unterstützen uns, indem sie uns z. B. helfen, etwas zu finanzieren, was wir uns sonst nicht leisten könnten. Wenn ich im Fernsehen oder in der Zeitung von der Kinderdorffamilie erzähle, finden fast alle Leute, es toll, dass es so etwas gibt.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kinder?  

Wir versuchen, die gemeinsame Zeit zu genießen, weil wir nicht wissen, wie lange wir zusammenleben werden. Ich versuche, den Kindern viele schöne Momente zu ermöglichen und ganz viele praktische Erfahrungen. Sie können bei mir viel lernen, angefangen vom Kochen und Backen über ein Instrument spielen oder bestimmte Sportarten. Ich wünsche mir, dass die Kinder viel Selbstbewusstsein und Lebensfreude entwickeln und sie ihr Leben meistern, Freunde haben, Unterstützung finden und glücklich sind. Und natürlich wünsche ich mir, dass ich in Kontakt mit den Kindern bleibe und irgendwann “Oma” bin.